Arztbesuch und Folgeschäden

Heute morgen bin ich mit meiner Freundin beim Psychiater gewesen – der letzte Termin war schon ein paar Monate her, und die letzten zwei Wochen habe ich wegen Stress im Job nicht daran gedacht, neue zu besorgen. (Zur Info: Das Medikament, das ich gerade nehme(n soll) ist ein Valproin-Präparat, das dazu dienen soll, die extremen Phasen in beiden Richtungen zu dämpfen) Ein weiterer Grund für mein mangelhaftes Bestreben, Nachschub zu besorgen, war, dass ich nicht das Gefühl habe, dass die Tabletten zu einer Besserung meiner Situation beitragen.

Wie auch immer, heute morgen sind wir also gemeinsam beim Arzt gewesen, und ich hatte S. mitgenommen, damit sie ihm ihre Sicht auf mich beschreiben konnte – denn offenbar sagt mein unbewusstes Verhalten etwas anderes als mein bewusstes. Obwohl ich mich ganz gut fühle, scheinen meine Augen und meine Körpersprache etwas anderes zu behaupten.

S. ist der festen Überzeugung, dass ich ein Antidepressivum benötige, damit es mir besser geht. Mein Arzt ist jedoch der Meinung, dass ich erst mal mit der Valproin-Säure weitermachen sollte, bis ich einen bestimmten Spiegel erreicht habe, und dass darauf basierend dann die Entscheidung getroffen wird, wie es weiter geht. Im Arztzimmer kam es dann zu einem schwelenden Streit zwischen den beiden, und ich saß daneben und fühlte mich sehr schlecht. S. steht ohnehin immer sehr hinter ihren Überzeugungen und vermag ihnen auch deutlich Ausdruck zu verleihen, wenn das Gegenüber nicht mal einen Schritt auf sie zuzumachen scheint. Und der Doktor fühlte sich in seiner Kompetenz beleidigt und hatte offensichtlich das Gefühl, dass da eine vor ihm sitzt, die ihm sagen will, was er zu tun hat.

Am Ende führte das dazu, dass der Arzt meine Dosis erhöht hat (nicht ohne mich vor den Nebenwirkungen zu warnen, die er bei der Dosis anscheinend für wahrscheinlich hält) und ich jetzt ein Stimmungstagebuch habe, in  dem ich täglich in einer Skala von 1 bis 9 ein Kreuzchen machen soll. Ich habe vorgeschlagen, dass S. das gleiche Heft für mich führt, um am Ende einen Abgleich zu machen zwischen ihren Aufzeichnungen und meinen, aber sie war auch, nachdem wir aus dem Haus gegangen waren, so erregt, dass sie das Heft in den Mülleimer geworfen hat.

Zu allem Überfluss habe ich dann auch noch den Fehler begangen, zwei lieben Freundinnen eine SMS zu schreiben und mich dafür  zu entschuldigen, dass ich mich im Moment so wenig melde. Ich versuche es, aber ich schaffe es nicht, eine vollständige Mail zu schreiben, weil ich mich ausgelaugt fühle. Der eigentliche Fehler an der SMS war, dass ich mich eines Begriffes bedient habe, den ich im Wartezimmer des Arztes in einer Zeitschrift aufgeschnappt hatte: “soziale Kontakte”. Während E. sich an dem Begriff nicht gestört und mir zugesprochen hat, hat mir N., von der ich das eigentlich noch weniger erwartet hätte, Vorwürfe gemacht, dass sie jetzt also offenbar degradiert worden wäre und nicht verstehen kann, wieso ich ihr nichts mehr zu sagen hätte. In den letzten Wochen habe ich ihr gesagt, dass ich viel Stress gehabt hätte (Job, Umzug, Renovierung), und dafür habe sie Verständnis gehabt. Ich habe ihr daraufhin dann doch eine Mail geschrieben, in der ich mich auf die SMS bezogen habe. Aber ich hab auch bei der Mail kein wirklich gutes Gefühl.

Insgesamt lässt sich sagen, dass ich mich im Moment sehr unwohl fühle, ich sehe nur Konflikte um mich herum, in die ich involviert bin, und das belastet mich.Hinzu kommt, dass ich mit S. nicht über N. und umgekehrt sprechen kann (oder zumindest das Gefühl habe, dass ich das nicht kann), weil ich spüre, dass die beiden sich nicht wirklich mögen, sondern lediglich arrangieren. N. ist nicht davon überzeugt, dass S. mir gut tut, und S. ist skeptisch wegen meiner Beziehung zu N., die zwar ausschließlich platonisch ist, aber halt schon einige Jahre länger besteht und sehr innig und offen war.

Vielleicht werde ich mal mit T. darüber sprechen, ich glaube, sie ist da am unbefangensten. (Zur Erklärung: meine Freundin heißt S., und meine zwei besten Freundinnen heißen N. und T. – die drei haben miteinander eigentlich gar nichts zu tun, was meinen Freundeskreis ziemlich versprengt, aber in diesem Fall ist das vielleicht ganz gut).

Ich bin traurig – das gibt keine gute Wertung im Stimmungskalender :) .


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